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Besonderheit

(05) Kommentar (Explizit) Sajal Ahmeds Gedicht

  Künstlerische Erklärung: Dieser Text ist kein Zufall, keine Entgleisung und kein Ausrutscher – er ist bewusst brutal. Die Sprache ist roh, direkt und absichtlich beleidigend, weil Kunst manchmal nicht streichelt, sondern schlägt. Wenn Sie Harmonie suchen, sind Sie hier falsch. Dieser Inhalt richtet sich an Leser, die verstehen, dass literarische Provokation kein Angriff, sondern ein Spiegel ist. Die verwendeten Worte sind nicht zur Verherrlichung von Gewalt oder Hass, sondern als stilistisches Mittel gedacht. Die Verantwortung für Interpretation liegt beim Leser. Wer Kunst nur akzeptiert, wenn sie brav ist, soll jetzt aufhören zu lesen. Nicht geeignet für Minderjährige oder empfindsame Personen. Der Autor behält sich das Recht auf radikale Ausdrucksweise gemäß künstlerischer Freiheit (Art. 5 GG) vor und distanziert sich gleichzeitig von jeder direkten persönlichen Beleidigung realer Menschen oder Gruppen.  „Dieser Text will nicht gefallen. Er will wirken.“ Weiterlesen bedeut...

Vermissen


1

Bei Ihnen wurde Magenkrebs diagnostiziert.
Heute sind es sechsunddreißig Tage.
Schon nach einer einzigen Chemotherapie
begann das Haar auszufallen.
Die Zähne sind locker geworden.
Ein kraftloser Körper auf einem Eisenbett.
Das Skelett tritt hervor.
Was Sie essen, erbrechen Sie wieder.

An dem Tag, als Sie nach Hause durften,
sagte der Arzt:
Sie werden leben.
Sie müssen nur regelmäßig Ihre Medikamente einnehmen.

Ja, um zu leben, dürfen Sie keine Medikamente auslassen.
Sie wollen leben – deshalb lassen Sie sie nicht aus.
Und doch wird manchmal eines verpasst.

Heute macht Ihnen das verpasste Nachmittagsmedikament Sorgen.
Der Körper wird träge, Sie sind erstaunt.
Jetzt verstehen Sie:
Nach Samiras Tod
hatte es keinen Sinn mehr,
allein weiterzuleben
und ihre Liebe im Herzen zu tragen –
all diese Gefühle waren trügerisch.

Alleinsein ist Dummheit.
Noch größere Dummheit ist es,
mit der Liebe eines Menschen im Herzen
allein zurückzubleiben.

2
Sie liegen irgendwo
in einer stillen Ecke dieser Welt.
Hier sind Sie krank,
und niemand weiß etwas von Ihnen.
Wo Sie sind,
wie Ihre Tage vergehen,
was Sie essen,
ob Sie überhaupt essen –
niemand kümmert sich darum.

Mit jedem Atemzug kämpfen Sie,
jeden Tag taumeln Sie
an der Schwelle des Todes.
Sie ringen täglich mit dem Tod –
der Tod fürchtet sich zu kommen.
Die Arme stecken tief im weichen Schlamm.
Sie wissen es selbst:
Der Mensch ist hier am hilflosesten.

Es tut weh, es schmerzt,
Sie wollen weinen – Sie sind kurz davor.
Sie eilen in das erbarmungslose Arztzimmer.
Sie schwanken an der Tür des Todes.
Sie brechen in Tränen aus –
ach, niemand hat nach Ihnen gefragt!

Der Mensch ist zutiefst selbstsüchtig.
Selbstsüchtig sogar sich selbst gegenüber.
Für den eigenen Bedarf
verkauft er seine eigene Ader,
die Niere seines Vaters.

3
Und doch denken Sie weiter:
Heute leben Sie noch,
und trotzdem scheinen es alle vergessen zu haben.
Es erstaunt Sie,
dass selbst der Freund,
der einst mit Ihnen gemeinsam unterging,
sich nicht einmal kurz Zeit nimmt,
Sie zu besuchen.

Alle wurden informiert.
Sie sind beschäftigt.
Die Straßen der Welt,
die Autos, die Erde, die Flüsse –
alle sind beschäftigt.
Und eines Tages
waren sogar alle Hunde dieser Welt beschäftigt.
Das wissen Sie sehr genau.

4
Und doch weigert sich
das gottgegebene Herz,
ihre Beschäftigung zu akzeptieren.
Immer wieder fragt es:
Warum sollten meine eigenen Menschen beschäftigt sein?

Ihre Beschäftigung ist nicht hinnehmbar –
absichtlich oder aus welchem Grund auch immer:
Warum kommen sie mich nicht einmal sehen?

Diese nutzlosen Fragen
werden Sie vorerst unaufhörlich quälen.
Doch das Herz bleibt nie
an solchen Logiken hängen.
Eines Tages waren alle beschäftigt.

Dieses Zimmer gehört Ihrem Vater –
der Sie noch vor einigen Jahren
so sehr vermisst hat.

04.10.2019

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